
Bitten um gute Ernten – Flurkreuze mit langer Historie
Witterda. Das Flurkreuz am Hochbehälter nahe dem Edelteich wurde erneuert und Anfang Juni durch Kaplan Kienemund geweiht.
Was hat es mit diesem Flurkreuzen auf sich, die in Witterda in (fast) allen Himmelsrichtungen aufgestellt sind?
Dazu gibt die Chronik des Ortes wie folgt Auskunft:
„Eine Handschrift von 1793 bestätigt den Witterdaer Bauern, dass sie durch fleißige Kultur und Besserung zu ersetzen suchten, was einem ansehnlichen Flurteile an Fruchtbarkeit von der Natur versagt worden sei. Fruchtbare Jahre und gute Ernten wechselten mit Jahren, wo schädlicher Frost, Misswachs oder schwere Unwetter mit Hagelschlag manche Hoffnung vernichteten und Entbehrung, Not und Sorge im Gefolge hatten.
Eine alte Kirchenrechnung von 1518 weist nach, wie schon die Vorfahren nach altem christlichen Brauche mit der Markusprozession die Flur und in der Kreuz- und Bittwoche das Winter- und Sommerfeld mit Kreuz und Fahnen unter Gesang und Gebet alljährlich in Prozession durchzogen hatten.
Als Zeugen frommen Glaubens ragten in verschiedenen Flurteilen Holzkreuze empor, an denen kein Bauer vorüberging, ohne die Mütze zu lüften und das Kreuzzeichen zu machen.“
Ehrerbietung für die Natur, Bitten um gute Ernte, um nicht Hunger leiden zu müssen – darum baten, dafür beteten die Bauern einst. Noch heute werden die Kreuze aufgesucht, die teilweise bereits im 16. Jahrhundert aufgestellt wurden zur Zeit der Gegenreformation. Gefördert wurde ihre Aufstellung durch Mitglieder des Jesuiten-Ordens.
Die Kreuze laden seit jeher zu Gebet und Besinnung ein, sind fester Bestandteil religiösen Brauchtums. Sie dienten und dienen als Stationen regelmäßiger Flurprozessionen in katholischen Gebieten.
Die Holzkreuze wurden immer wieder ersetzt, häufig gestiftet von Ortsansässigen. Laut Gemeinderechnungen von 1732 und 1774 wurde am Breiten Rasenwege und 1737 am Elxleber Wege ein neues Wetterkreuz gesetzt. Die anderen Flurkreuze wurden später errichtet.
Das „Rote Kreuz“ an der Linde zwischen Witterda und Friedrichsdorf wurde Anfang der 1990er Jahre ersetzt von Bildhauer Ulrich Minkus aus Friedrichsdorf.
Das „Weiße Kreuz“ am alten Kalkofen nördlich des Ortes war lange Zeit verschollen und wurde 1998 von Heinrich Wegerich neu errichtet. Das Holz stiftete Egon Massino, die Holzarbeiten besorgte die Tischlerei Heinrich Heinemann.
Das Kreuz am Siegelsgraben wurde 1947 nach einer Zerstörung im Dezember 1945 wieder neu errichtet und 1997 im Rahmen einer Baumaßnahme von Familie Rauch erneuert.
Ein neues Wegekreuz im Herrengarten wurde vor wenigen Jahren von Familie Mirko Sendler errichtet.
Ein weiteres Kreuz in Richtung Westen am Herrengarten wurde in der NS-Zeit beseitigt und bislang nicht wieder ersetzt.*
Nun also wurde das Kreuz oberhalb des Edelteiches erneuert, sein Vorgänger geweiht am 16. April 1899. Auftraggeber war jetzt die Pfarrei St. Josef, die auch die Kosten getragen hat. Die Initiative zur Erneuerung kam von Kirchenvorstand Gehard Lange.
Aus Eichenholz gefertigt hat es die Tischlerei Lars Ernst, die vor einigen Jahren bereits des Kreuz am Siegelsgraben erneuert hat.
Wir bedanken uns für die unterstützenden Zuarbeiten von Ortschronist Dr. Hubert Göbel, Kirchenvorstand Gerhard Lange und Timo Scheitler, der auch die Bilder zur Verfügung stellte.
* Quelle: Ortschronik, Autor: B. Köhler, Fotos neues Kreuz T. Scheitler, andere J. Köhler





